„Google mal eben ...“
Der Satz ist völlig normal geworden.
Wir sagen nicht mehr: „Ich suche das mal im Internet.“
Wir sagen Google.
Nachrichten, Krankheiten, politische Themen, Produkte, Personen, irgendeine Fehlermeldung am Computer und manchmal Dinge, von denen sonst niemand etwas wissen muss.
Alles landet im selben kleinen Suchfeld.
Google funktioniert. Meistens ziemlich gut. Es ist auf vielen Geräten voreingestellt, die Menschen kennen es und niemand muss erst eine Bedienungsanleitung lesen.
Genau deshalb ist Google so groß geworden.
Aber muss deshalb wirklich jede Suche dort landen?
DuckDuckGo, Startpage, Brave Search, Presearch und YaCy versprechen auf sehr unterschiedliche Weise eine Alternative. Nur steht bei allen ein Suchfeld auf der Seite. Dahinter machen sie längst nicht dasselbe.
Und hier wird es interessant.
Eine Suchmaschine durchsucht nicht gerade eben das Internet
Du tippst einen Begriff ein und wenige Augenblicke später stehen die Ergebnisse da.
Das wirkt, als würde die Suchmaschine in diesem Moment durchs ganze Internet rennen.
Tut sie nicht.
Suchmaschinen schicken Programme los, sogenannte Crawler. Die besuchen öffentlich erreichbare Webseiten, folgen Links und sammeln Informationen über die gefundenen Inhalte. Daraus entsteht ein Suchindex.
Du kannst dir das wie das Stichwortverzeichnis in einem absurd großen Buch vorstellen.
Deine Anfrage durchsucht hauptsächlich dieses Verzeichnis. Danach entscheidet ein Ranking, welche Treffer oben stehen, welche weiter hinten verschwinden und welche du nie zu Gesicht bekommst.
Wer den Index und das Ranking kontrolliert, besitzt deshalb mehr als ein hübsches Suchfeld.
Er besitzt einen Filter zwischen dir und dem Internet.
Alternative Suchmaschine bedeutet nicht automatisch unabhängige Suchmaschine.
Ein Dienst kann deine Suchanfrage besser schützen und trotzdem seine Treffer von Google oder Bing beziehen. Ein anderer kann einen eigenen Index besitzen, aber weiterhin zentral von einem Unternehmen betrieben werden. Und ein dritter verteilt Teile der Technik auf viele Rechner.
Privat, unabhängig und dezentral sind drei verschiedene Dinge.
Google – die Messlatte ist das Problem
Google besitzt einen eigenen gewaltigen Suchindex. Das Unternehmen spricht von Hunderten Milliarden Webseiten und anderen Inhalten.
Das erklärt einen Teil der Qualität.
Google kennt das Netz, versteht viele Suchabsichten erstaunlich gut und verbindet die Suche mit Karten, Videos, Shopping, Nachrichten und weiteren eigenen Diensten. Wer etwas schnell finden möchte, bekommt meistens eine brauchbare Antwort.
Ich muss Google nicht künstlich schlechtreden, um mir trotzdem Gedanken zu machen.
Google erklärt in seiner Datenschutzerklärung selbst, dass je nach Nutzung und Einstellungen unter anderem Suchbegriffe, Geräteinformationen, IP-Adresse, Standortinformationen und Aktivitäten verarbeitet werden können. Hui – Suchbegriffe, IP-Adresse, Standort und Aktivitäten. Da kommt beim Suchen nebenbei einiges zusammen. Angemeldete Nutzer können Verläufe und Personalisierung teilweise steuern. Auch ohne Anmeldung können Informationen mit Kennungen des Browsers oder Geräts verbunden werden.
Das ist kein Geheimnis aus einem dunklen Keller. Es steht in den Bedingungen.
Nur liest sie kaum jemand, bevor er nach Kopfschmerzen, Angeboten, Klamotten, einer neuen Arbeitsstelle oder dem Namen einer Person sucht.
Für mich reicht deshalb eine einfache Frage:
Muss ein Unternehmen, das ohnehin an so vielen Stellen meines digitalen Alltags sitzt, auch noch jede Suche bekommen?
Meine Antwort: Pfff, Nööö...
DuckDuckGo – der einfache Einstieg
DuckDuckGo ist vermutlich die bekannteste Alternative.
Du öffnest die Seite, suchst und musst dich nicht groß umgewöhnen. Genau das ist ihre Stärke.
DuckDuckGo erklärt, Suchanfragen nicht mit persönlichen Kennungen zu einer Suchhistorie zu verbinden. Anfragen an externe Ergebnisquellen werden über die eigenen Server vermittelt, sodass diese Partner nicht deine IP-Adresse zusammen mit dem Suchbegriff erhalten sollen.
Das klingt erst einmal nach einer eigenständigen Suchmaschine.
Beim Index wird es aber gemischt.
DuckDuckGo betreibt mit dem DuckDuckBot einen eigenen Crawler und verwendet verschiedene eigene sowie externe Quellen. Die klassischen Weblinks und Bilder stammen nach Angaben des Unternehmens jedoch größtenteils von Microsoft Bing.
Auch bei Suchanzeigen sitzt Microsoft mit am Tisch. DuckDuckGo erklärt, die Anzeigen so auszuliefern, dass daraus kein persönliches Suchprofil entsteht. Beim Klick auf eine Microsoft-Anzeige läuft der Weg allerdings über Microsoft Advertising.
Ist DuckDuckGo deshalb schlecht?
Nein.
Für jemanden, der ohne großes Gedöns weniger persönliche Suchhistorie möchte, ist es ein sehr einfacher Einstieg.
Wer aber einen von Microsoft unabhängigen Webindex sucht, ist hier nicht am Ziel.
DuckDuckGo schützt die Suche anders.
Es baut nicht das komplette Internetverzeichnis neu.
Startpage – Google fragen, ohne selbst dort vorzusprechen
Startpage nimmt einen anderen Weg.
Der Dienst stellt sich zwischen dich und seine Suchpartner. Startpage übermittelt deine Anfrage nach eigener Darstellung anonym an Google und Microsoft Bing und gibt die Treffer an dich zurück. Die Suchpartner sollen dabei Startpage sehen – nicht dich.
Das ist ziemlich clever, wenn du sagst:
Ich möchte die Ergebnisse von Google, aber Google muss meine Anfrage nicht direkt von mir bekommen.
Mit „Anonymous View“ kann Startpage zusätzlich als eine Art Zwischenstation für die aufgerufene Webseite dienen. Die Zielseite sieht dann die IP-Adresse des Startpage-Servers statt deiner eigenen. Bestimmte Browser- und Standortmerkmale werden ebenfalls verändert.
Aber auch Startpage zaubert keinen eigenen großen Webindex aus dem Hut.
Wenn Google und Bing eine Seite nicht kennen oder anders einordnen, kann Startpage sie nicht plötzlich aus einer eigenen Schublade holen.
Zur Einordnung gehört außerdem, dass System1 über seine Tochter Privacy One erheblich in Startpage investiert hat. Startpage sitzt und arbeitet nach eigener Aussage weiterhin in den Niederlanden; die Gründer sollen die Kontrolle über Datenschutzfragen behalten.
Das muss kein Ausschlusskriterium sein.
Bei einem Dienst, dessen wichtigstes Produkt Vertrauen ist, möchte ich es aber wissen.
Brave Search – ein eigener Index
Brave Search macht an einer entscheidenden Stelle etwas anderes.
Brave besitzt einen eigenen Webcrawler und einen eigenen Suchindex. Die normalen Treffer werden nach Angaben des Unternehmens aus diesem Index ausgeliefert.
Das ist ein großer Unterschied.
Hier wird nicht nur die Anfrage vor Google oder Microsoft versteckt. Brave baut eine eigene Suchinfrastruktur auf.
Das finde ich spannend.
Brave erklärt außerdem, standardmäßig keine persönlichen Informationen über Nutzer, Geräte oder Suchanfragen zu sammeln. Anonyme Nutzungsdaten sind optional. Lokale Treffer können anhand der IP-Adresse grob angepasst werden, ohne diese dauerhaft zu speichern.
Im Brave-Browser lässt sich allerdings ein „Google Fallback Mixing“ einschalten. Dann fragt Brave Google nach eigener Darstellung anonym ab und mischt passende Treffer bei. Wer diese Option aktiviert, nutzt also bewusst wieder eine zusätzliche Google-Quelle. Der eigene Brave-Index bleibt trotzdem die Grundlage der normalen Suche.
Auch Brave ist inzwischen mehr als zehn blaue Links. Es gibt Werbung, KI-Antworten und einen Chatmodus. Wer „Ask Brave“ nutzt, sollte wissen, dass die Anfrage auf Servern verarbeitet werden muss und eine laufende Unterhaltung zeitweise gespeichert wird. Das ist eine andere Verarbeitung als eine schlichte Suchanfrage.
Ein eigener Index bedeutet außerdem noch keine Dezentralisierung.
Brave Search bleibt ein zentral betriebener Dienst eines Unternehmens. Wenn Brave Regeln, Oberfläche oder Geschäftsmodell ändert, entscheiden nicht die Nutzer gemeinsam darüber.
Trotzdem bleibt der eigene Index für mich ein handfester Pluspunkt.
Google gegen eine andere Oberfläche zu tauschen ist nett.
Einen zusätzlichen Index im Netz zu haben, ist wichtiger.
Presearch – eine gute Idee mit ziemlich viel drum herum
Presearch benutzt das Wort „dezentral“ nicht nur als Dekoration.
Unabhängige Betreiber können Nodes bereitstellen, die Rechenleistung für das Suchnetzwerk übernehmen. Dafür gibt es ein System rund um den PRE-Token und Staking.
Die Datenschutzerklärung sagt, dass Suchbegriffe nicht gespeichert, keine Drittanbieter-Cookies verwendet und Nutzer nicht über andere Webseiten verfolgt werden sollen.
Bei angemeldeten Konten können allerdings andere Informationen anfallen: E-Mail-Adresse, Einstellungen, Wallet-Adresse und sogenannte Suchereignisse – also etwa wann gesucht wurde, welcher Anbieter verwendet wurde und wie viele Token dabei verdient wurden. Der konkrete Suchbegriff soll davon getrennt bleiben.
Das sollte man auseinanderhalten.
Dezentral klingt schnell so, als gäbe es nirgends mehr einen Betreiber und jeder Teil gehöre automatisch der Gemeinschaft.
So einfach ist es nicht.
Das Node-Netzwerk verteilt einen Teil der technischen Arbeit. Rundherum stehen aber weiterhin eine Plattform, Konten, Regeln, Token, Werbung und ein Unternehmen.
Und da bin ich zwiegespalten.
Die Idee, Suchinfrastruktur auf viele unabhängige Rechner zu verteilen, gefällt mir. Der ganze Bauchladen aus Token, Staking, Konten und weiteren Funktionen macht den ursprünglichen Gedanken für mich aber kaputt.
Vielleicht braucht ein solches Projekt genau diese Finanzierung.
Vielleicht ist es anderen gerade deshalb interessant.
Mir wäre eine Suchmaschine lieber, bei der ich nicht erst verstehen muss, welcher Token an welcher Stelle warum herumliegt.
Beobachten würde ich Presearch trotzdem.
Denn zwischen Google und einem kleinen freien Projekt braucht es auch Versuche, die Suche wirtschaftlich anders zu organisieren.
YaCy – jetzt wird es nerdig
YaCy ist nicht einfach die nächste Webseite mit einem anderen Logo über dem Suchfeld.
YaCy ist freie Suchmaschinen-Software.
Du kannst den YaCy Search Server selbst installieren und einen eigenen Crawler betreiben. Damit baust du einen Suchindex für ausgewählte Webseiten, dein Heimnetz, eine Organisation oder ein bestimmtes Thema auf.
Oder du verbindest deine Installation mit dem öffentlichen Peer-to-Peer-Netzwerk. Dort tragen viele unabhängig betriebene Rechner zu einem gemeinsamen Index bei.
Kein einzelner Konzern besitzt dann die komplette Infrastruktur.
Das ist echte Dezentralisierung.
Und es ist unbequem.
YaCy ist nicht die Suchmaschine, die ich meiner Nachbarin heimlich als Startseite einstelle und dann verschwinde.
Wer es selbst betreibt, installiert Software, braucht Speicherplatz, lässt einen Crawler arbeiten und beschäftigt sich mit Einstellungen. Die öffentliche P2P-Suche kann langsamer sein und liefert nicht automatisch dieselbe Abdeckung wie Google. Das Projekt sagt selbst, dass ein kleines Netz aus wenigen Peers mit Google nicht konkurrieren kann.
Das ist keine Schwäche, die man verstecken muss.
Es ist der Preis für einen völlig anderen Aufbau.
YaCy zeigt, dass ein Suchindex nicht zwangsläufig einem Unternehmen gehören muss. Er kann auf dem eigenen Rechner liegen oder von vielen Menschen gemeinsam getragen werden.
Für die schnelle Alltagssuche ist das nicht immer die bequemste Lösung.
Für die Frage, wem die Suchinfrastruktur eigentlich gehören sollte, ist YaCy vielleicht der interessanteste Kandidat in diesem ganzen Artikel.
Privat ist nicht automatisch unabhängig. Und unabhängig ist nicht automatisch dezentral.
Also welche ist nun die beste?
Kann ich und werde ich nicht sagen, weil ich es nicht weiß.
Wir haben uns angewöhnt, genau eine Suchmaschine für alles zu benutzen.
Warum eigentlich?
DuckDuckGo kann der einfache Alltagseinstieg sein.
Startpage passt, wenn du Google- oder Bing-Ergebnisse möchtest, ohne deine Anfrage direkt dort abzuliefern.
Brave Search ist interessant, wenn dir ein zusätzlicher eigenständiger Index wichtig ist.
Presearch zeigt, wie Teile der Suchinfrastruktur über unabhängige Nodes verteilt werden können – samt Token-System und allem, was dazugehört.
YaCy ist die freie, selbst betreibbare und auf Wunsch tatsächlich verteilte Variante. Dafür verlangt es mehr von dir als einen Klick in den Browsereinstellungen.
Und Google?
Kann für die Suche bleiben, bei der eine Alternative gerade nichts Brauchbares findet.
Das ist keine Niederlage.
Du musst nicht aus einer Suchmaschine austreten wie aus einer Religion.
Es reicht schon, wenn nicht mehr jede einzelne Frage automatisch bei demselben Unternehmen landet.
Ergebnisse sind nicht immer dieselben
Suchmaschinen zeigen nicht einfach „das Internet“.
Sie zeigen eine Auswahl.
Der Crawler muss eine Seite gefunden haben. Der Index muss sie aufgenommen haben. Das Ranking muss sie für wichtig halten. Rechtliche Regeln und Entfernungsgesuche können eine Rolle spielen. Werbung steht dazwischen. Inzwischen werden Antworten zusätzlich von KI-Systemen zusammengefasst.
Zwei Suchmaschinen können deshalb auf dieselbe Frage ziemlich verschieden antworten.
Probier es aus.
Nimm einen politischen Begriff, ein technisches Problem oder eine aktuelle Nachricht und suche bei zwei Diensten danach. Schau nicht nur auf den ersten Treffer.
Welche Quellen erscheinen?
Welche fehlen?
Stehen überall dieselben großen Portale?
Bekommst du Links oder zuerst eine fertige KI-Antwort?
Ist die Antwort vielleicht bequem – aber die eigentliche Quelle drei Bildschirme weiter unten versteckt?
Man muss daraus keine tägliche Wissenschaft machen.
Aber ab und zu dieselbe Suche durch zwei verschiedene Filter zu schicken, kann den Blick ziemlich gut geradeziehen.
Deine Daten. // Deine Entscheidung.
Ich würde nicht fünf Suchmaschinen installieren und dann eine Tabelle führen, welche heute gewonnen hat.
Ich würde mit einer zweiten anfangen.
Eine Alternative als Standard setzen:
DuckDuckGo oder Brave Search lassen sich ohne großen Umbau ausprobieren. Wenn es nicht passt, ist die Einstellung in einer Minute wieder geändert.
Google nicht vorsorglich verteufeln:
Wenn du dort einen besseren Treffer findest, nutze ihn. Entscheidend ist, dass Google nicht aus Gewohnheit jede Suche bekommt.
Den Index mitdenken:
Eine private Oberfläche vor Bing oder Google schützt deine Anfrage anders als ein eigener Suchindex.
Bei KI-Antworten die Quellen öffnen:
Eine flüssige Zusammenfassung kann falsch, unvollständig oder veraltet sein. Der hübsche Absatz ist nicht die Quelle.
Bei sensiblen Suchen genauer wählen:
Gesundheit, Politik, persönliche Probleme oder die Suche nach einem Menschen erzählen mehr über dich als die Frage nach dem Wetter.
Gelegentlich doppelt suchen:
Nicht weil du sonst das Internet falsch benutzt. Sondern weil kein Ranking die ganze Wirklichkeit abbildet.
YaCy nicht vergessen:
Vielleicht ist es für deinen Alltag zu aufwendig. Als freie Software zeigt es trotzdem, dass Suche auch ohne den einen zentralen Besitzer gebaut werden kann.
Suchen bedeutet nicht nur, etwas zu finden. Es bedeutet auch zu entscheiden, wem wir die Suche anvertrauen.
Vielleicht bleibt Google bei dir noch lange als zweite oder dritte Möglichkeit gespeichert.
Na und? Du musst mich nicht glücklich machen, nur dich ;)
Es geht nicht darum, morgen besonders konsequent auszusehen.
Es geht darum, heute einmal nicht automatisch dort zu suchen, wo du schon gestern gesucht hast.
Und dann zu schauen, was du sonst noch findest ...
Wissensstand: 13. September 2026.
Quellen
- Google – Wie der Suchindex aufgebaut wird
- Google – Datenschutzerklärung
- DuckDuckGo – Herkunft der Suchergebnisse und Rolle von Bing
- DuckDuckGo – Microsoft-Anzeigen in der privaten Suche
- Startpage – Zusammenarbeit mit Google und Microsoft Bing
- Startpage – technische Einzelheiten zu Anonymous View
- Startpage – Verhältnis zu Privacy One und System1
- Brave Search – Unabhängigkeit des Suchindexes
- Brave Search – Datenschutzhinweise und eigener Index
- Brave Search – KI-Funktionen
- Presearch – Node-Netzwerk
- Presearch – Datenschutzerklärung
- YaCy – freie Software für eigene und dezentrale Suchindizes
- YaCy – Quellcode des Search Servers
- YaCy – FAQ zu Installation und Peer-to-Peer-Suche